Darf ich das?

Foto: Vivian Mary Pudelko
Foto: Vivian Mary Pudelko

Darf ich noch einen kurzen Spaziergang machen, bevor ich mich zum Arbeiten an den Schreibtisch setze? Darf ich während einer wichtigen Besprechung aufstehen und auf Toilette gehen, um einen Moment durchzuatmen? Darf ich mich mittags hinlegen für ein kleines Schläfchen? Darf ich genußvoll ein großes Stück Schokotorte essen?


Darf ich mein Kind eine Stunde später aus dem Kindergarten abholen, um noch in Ruhe in einem Café zu sitzen? Darf ich die Verabredung mit einem Freund kurzfristig absagen, weil mir heute gar nicht danach ist? Darf ich mein Handy für mehrere Stunden oder gar einen ganzen Tag abdrehen? Darf ich das? Was darf ich eigentlich? Und wenn ich es nicht weiß - wer sagt es mir dann?


Wir sind erwachsen. Wie schön! Wir dürfen über die Erfüllung unserer Bedürfnisse und Wünsche selbst entscheiden. Aber das ist oft gar nicht so einfach.


Das, was uns dabei immer wieder in die Quere kommen kann, wenn sich die eigenen Bedürfnisse und Wünsche melden, nennt sich die innere Legitimierung, die innere Erlaubnis. Wie eine von innen kommende Stimme zensiert sie größtenteils unbewusst unsere Wünsche bereits im Ansatz. Oder sie schiebt diese einfach zur Seite, wenn sie nicht in unser Selbst- oder Lebenskonzept passen.

 

Die innere Legitimierung ist ein weiterer wichtiger Teil der Selbstfürsorge. Die frühen Beziehungserfahrungen beeinflussen den Umgang mit sich selbst und sind maßgeblich an der Ausbildung dieser inneren Stimme beteiligt. Genauso können unsere gegenwärtigen Beziehungen Möglichkeiten zur Selbstfürsorge schenken - oder verwehren.


Auch dann für sich zu sorgen, wenn die Mitmenschen unsere Handlungen und Impulse nicht teilen, abwerten oder sogar ablehnen, ist eine Herausforderung. Unter diesen erschwerten Bedingungen sich dennoch zuzugestehen für sich sorgen zu dürfen und eigene Bedürfnisse zu erfüllen, kann dann allerdings sehr glücklich machen.

Welche Fragen stellst Du Dir innerlich im Alltag, wenn es um Deine Impulse geht? In welchen Situationen wirst Du unsicher wie Du Dich verhalten darfst, wenn Deine eigenen Wünsche sich stärker regen? Was irritiert Dich momentan am meisten?


Ich freue mich auf Eure Gedanken und Schilderungen.

 

Alles Gute von Vivian Mary Pudelko

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Kommentare: 4
  • #1

    chris (Freitag, 25 September 2015 15:30)

    so schön das hier von dir zu lesen! Und vieles klingt so einfach und logisch aber wie häufig merke ich, dass ich es nicht schaffe, mir diese Momente der Ruhe zu gönnen... aber du erinnerst mich immer wieder daran! danke.

  • #2

    Petral (Dienstag, 29 September 2015 01:54)

    Hey du,
    ich bin gerade auf deinen tollen Blog gestossen und komme jetzt öfter vorbei. Liebe Grüße, Petra von <a href="http:www.papierundtintenwelten-kleinundgross.blogspot.de">Papier und Tintenwelten für Klein und Gross</a>

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  • #3

    Olaf (Mittwoch, 21 Oktober 2015 14:29)

    Hallo liebe Vivian, Danke für Deinen Blog! Ich mag Deine bildliche, klare und einfache Herzenssprache und die Beispiele aus dem Alltag, die mich nachdenklich stimmen: Wo finde ich in meinem täglichen Leben Zeit für die wichtigste Person, mich?
    "Positiver Egoisum" sage ich häufig zu meinen Patienten, Selbstfürsorge hört sich aber viel schöner an =)
    Mir kommt auch das Bild aus dem Qi Gong mit den 2 Ministern, Verstand-Minister und Herz-Minister. Jeder der beiden ist wichtig, sie sollten allerdings ausgeglichene Machtverhältnisse zueinander pflegen und ausüben. Bei uns im Westen ist meistens einer übergroß (Verstand) und der andere ziemlich vernachlässigt und verkümmert (Herz).

  • #4

    Stevie (Sonntag, 17 Januar 2016 22:28)

    All die oben aufgeworfenen Fragen (Darf ich ...?) konnte ich auf Anhieb klar mit Ja beantworten.

    Vor ein paar Jahren hätte ich vielleicht gezögert, mich schwer getan. Das muß wohl mit meiner Lebenserfahrung zusammenhängen.
    Ganz sicher sogar.
    Yoga ist eine gute Unterstützung dabei.

    Besten Gruß,
    Stevie