Der innere Ort

Foto: Pixabay
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Hier fühl ich mich zuhause. Wohl und geborgen. Hier mag ich verweilen. Hier gibt es nichts, aber auch gar nichts zu tun. Die Zeit steht still. All das, was momentan schwierig, ungelöst, bedrückend in meinem Leben ist, rückt in den Hintergrund. An diesem Ort, in diesem Zustand ist alles in seiner Ordnung.

Worum geht es hier? Was ist das für ein Ort? Ein Ort, an dem alles in seiner Ordnung ist?

Ich spreche vom inneren Ort und meine damit eine Ebene im innerpsychischen Erleben. Dabei handelt es sich weniger um einen konkret ortbaren Punkt, sondern mehr um einen sich ausbreitenden Raum, eine Seinsweise. Einen inneren Zustand.

 

Kommt Euch das bekannt vor? In diesem Zustand fühlen wir uns zentriert, mit einem gleichzeitigen Empfinden von Weite. Wir spüren eine innere Ruhe, verbunden mit einer tiefen Entspannung und Gefühlen von Geborgenheit. Als inneren Ort bezeichne ich einen unzerstörbaren, inneren Rückzugsraum, in dem der Mensch sich eins mit dem Ganzen, sicher und aufgehoben fühlen kann. Hier wird ein Gefühl von Gelassenheit und tiefem Vertrauen spürbar. An diesem Ort ist es möglich aufzutanken, sich zurückziehen, zur Ruhe zu kommen – bei sich zu sein.

 

Wie können wir uns diesem inneren Ort annähern? Der innere Ort wird lebendig durch Tätigkeiten, die nach innen führen oder Umgebungen, die einen still werden lassen. Er kann in der Yogapraxis erlebbar werden, aber auch durch jede andere achtsam ausgeführte Tätigkeit. Etwa auf einem Spaziergang oder bei einer Tätigkeit, die uns sehr am Herzen liegt, mit der wir uns eng verbunden fühlen. Musik ist zum Beispiel ein Medium, das sehr schnell und plötzlich die beschriebenen Gefühle von Zentrierung und innerer Ruhe wecken kann. Beim Anhören, Singen oder selber Musizieren.

 

Auch in der Interaktion mit unseren Mitmenschen kann dieser innere Ort spürbar werden. Im Gespräch mit einem guten Freund, im Zusammensein mit einer vertrauten Freundin, in der Familie, manchmal auch in Alltagsbegegnungen. Insbesondere geschieht das dann, wenn wir uns in unserem Wesen erkannt fühlen: gesehen mit dem, was uns ausmacht, was uns wichtig ist, wie wir uns selbst wahrnehmen.

 

Interessant ist, dass wir diesen Zustand nicht zwangsläufig herbeiführen können. Aber wir können Bedingungen schaffen, die diesen Zustand begünstigen oder unterstützen. Der innere Ort entzieht sich somit jeglichen Gesetzmäßigkeiten und taucht wie von Zauberhand auf. Und das macht ihn so besonders und wertvoll.

 

Vielleicht habt ihr andere Worte für diesen Zustand oder erlebt das, was ich beschreibe in anderen Zusammenhängen. Ich freue mich von Euch zu lesen.

 

Mit lieben Grüße, Vivian Mary Pudelko

 

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