“Entschuldigung, wo bitte geht es hier zur nächsten Luxustankstelle?”

Foto: Marlene Karpischek
Foto: Marlene Karpischek

 

 

frage ich unermüdlich, als ich mich mal wieder durch den Alltagsdschungel schlage. Nehme ich eine Luxustankstelle mit vier Sternen oder gar mit fünfen? Liegt sie auf meiner Route oder darf ich sogar Umwege machen? Mit etwas Extrazeit? Ist die Luxustankstelle vertraut? War ich schon einmal dort? Mehrmals? Weiß ich, wie und wo ich mich bewegen kann, wenn ich dort bin?

Eine Luxustankstelle kann ein Café sein, wo es besonders guten Kaffee oder eine feine Teeauslese gibt. Wo die Kuchen selbst gebacken oder die Speisen mit viel Liebe zubereitet werden. Oder auch ein Lokal, in dem die Menschen mit Freude und von Herzen gerne arbeiten. Mag sein, dass es besonders bequeme Sessel gibt oder Ecken, die etwas versteckter liegen und man für sich sein kann. Lesend, arbeitend, mit einem lieben Menschen plaudernd. Möglicherweise werde ich dort als regelmäßiger Gast auch besonders freundlich begrüßt und wiedererkannt. Ein Stück Zuhause. Vielleicht liegt das Café auch sehr schön. Am Fluss, mit Blick ins Grüne oder auf eine belebte Straße mit Menschen, die unterwegs sind.

Ganz egal was. Eine Luxustankstelle ist etwas, wo ich wieder auftanken kann. Das kann ein Ort sein. Oder ein Mensch. Jemand, mit dem  wir gerne zusammen sind, dem wir vertrauen, der die positiven Seiten in uns zum Klingen bringt. Aber gleichzeitig auch nicht davor zurückschreckt Schwieriges anzusprechen. Ein Mensch, der es schätzt, dass wir unsere Zeit mit ihm verbringen. Ja, der präsent ist während unseres Treffens. Der zuhört und sich gleichzeitig auch mitteilt. Und mit dem wir vielleicht sogar schweigen können. Das ist mittlerweile eine Premiumvariante geworden.

Das kann ein Platz in der Natur sein. Hier spüre ich mich wieder besser. Kopf und Herz kommen in Balance. Unbemerkt, wie von selbst. Ohne Yogaübung, ohne bewusstes Atmen. Es ist bereits der Platz, der wirkt, der etwas mit mir macht.

Die nächste Luxustankstelle? Ein gutes, warmes Essen. Nährend, abwechslungsreich, von hoher Qualität. Vielleicht sogar mit Liebe gekocht? Zumindest mit Können und Aufmerksamkeit. Oder ein Gericht, das wir liebend gerne essen.

Luxustankstellen bedeuten nicht gleichzeitig einen hohen finanziellen Aufwand. Das kann vorkommen, auch schön. Da gönnen wir uns dann das bessere Hotel. Verlängern den Urlaub spontan um einen Tag. Nehmen ein Taxi am späten Abend. Wir gönnen uns etwas. Von ganzem Herzen. Ohne Reue. Mit diesem feinen Glitzern im Herzen.

Doch Luxus tanken tun wir auch dann, wenn wir längere Nächte haben – also ab und zu früher ins Bett gehen. Oder morgens ewig lang im Bett liegenbleiben können. Wenn wir in alten Fotos oder Karten, die mit schönen Erinnerungen verbunden sind, kramen. Wenn wir einen Bekannten oder eine Freundin, die wir gerne haben einen Moment länger umarmen als sonst. Wenn wir uns die Zeit nehmen, einen Brief an einen lieben Menschen zu schreiben. Wenn wir uns selbst Zeit schenken. Ja, wenn wir uns Aufmerksamkeit schenken.

Im Alltag lässt sich endlos viel Luxus erleben: eine Musik, die zu Herzen geht. Ein gutes Buch, ein Sitzplatz im Bus, eine warme Decke im Winter, eine zweite Decke in der Yogastunde, schöne Stifte, genug Luft im Fahrradreifen, goldener Lidschatten, freundlich grüßende Menschen, bequeme Schuhe, passende, nicht einengende Kleidung, genug Licht, ein Sonnenuntergang, frische Nachtluft…

 

Manchmal wird unvermutet die Begegnung mit einem Menschen zum Luxus. Ein Mensch, bei dem einem warm und leicht(er) ums Herz wird. Wo man auf einmal wieder tiefer durchatmen kann. Ja, wo sich vielleicht sogar neue Welten, neue Räume öffnen. So eine tiefere Begegnung ist eins der belebendsten Dinge, die man sich im Leben vorstellen kann. Sie hinterlässt ein Strahlen im Gesicht. Ein zartes Gefühl von Glückseligkeit. Das passiert nicht sehr oft. Es ist ein kostbares Geschenk. Praktisch eine Doppeldeluxesupremetankstelle. Suchen kann man die nicht. Festhalten - auch nicht.

Suchen wir regelmäßig unsere Luxustankstellen auf, dann gleiten wir auch etwas sanfter durch Zeiten mit leichtem Mangel. Durch Zeiten mit Stress. Durch Zeiten von Ra(s)tlosigkeit. Jedoch auch in diesen Zeiten dürfen wir nicht aufhören zu fragen:

“Entschuldigung, wo bitte geht es hier zur nächsten Luxustankstelle?”

 

Wie sehen Deine ganz persönlichen Luxustankstellen aus? Und welche möchtest Du in diesem Herbst unbedingt aufsuchen?


Ich freue mich von Euch zu lesen!


Vivian Mary Pudelko
von Fürmichda

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